30.10.2014

Sehbehinderung bei Senioren in Heimen früher erkennen

Millionen von Senioren sind nahezu blind. Häufig fehlt nur die passende Sehhilfe. In anderen Fällen gibt es Versorgungslücken vor allem in Alten- und Pflegeheimen. Die Stiftung Auge startet daher im November bundesweit ein Projekt, das die Lebenssituation älterer Menschen mit Sehbehinderungen in Seniorenheimen erfassen und Defizite identifizieren soll.

Werden Erkrankungen wie altersabhängige Makuladegeneration (AMD), grüner Star (Glaukom) oder diabetische Netzhauterkrankung nicht frühzeitig erkannt und behandelt, können sie zu Sehbehinderungen und Erblindung führen. Da die Deutschen immer älter werden, rechnen Augenärzte damit, dass die Zahl dieser Erkrankungen stark zunehmen wird: Bis 2030 wird mit einem deutlichen weiteren Anstieg von etwa 13 Prozent der von AMD und Glaukom Betroffenen im Vergleich zum Jahr 2008 gerechnet.
„Basierend auf Studien aus anderen Industrienationen müssen wir zudem von einem hohen Anteil unerkannter Sehbehinderung in Alten- und Pflegeheimen ausgehen“, warnt Prof. Dr. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. Denn in vielen Einrichtungen leben Menschen, deren Sehbehinderung nicht erkannt oder erfasst ist. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf eine unzureichende Versorgung. „Obwohl in Deutschland augenärztliche Hilfe auf höchstem Niveau für jeden verfügbar ist, gelangt sie oft nicht zu den Menschen in Seniorenheimen, wobei verschiedene Faktoren hierbei eine Rolle spielen“, so Holz.
Das Projekt der Stiftung Auge „Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen (OVIS)“ will diese Problematik systematisch erfassen und Defizite identifizieren. Die Studie schließt Bewohner in Seniorenheimen aus verschiedenen Regionen Deutschlands ein. Die Experten besuchen dafür Heime u.a. von Arbeiterwohlfahrt, Caritas und Diakonie. Erfahrene Ärzte erfassen dort die vorhandenen Angaben zur Augenanamnese und führen Untersuchungen durch.
Die Studie wird wissenschaftlich begleitet von Prof. Frank Krummenauer, Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke. (tu)

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