12.12.2012

Wissenschaftler: Unvorbereitet auf Sturm des demografischen Wandels

„Unser Gesundheits- und Sozialwesen ist auf den Sturm des demografischen Wandels noch nicht vorbereitet, und die Zeit drängt“, stellt Gesundheitswissenschaftler Prof. Fritz Beske anlässlich einer neuen Studie fest. Aus seiner Sicht wird der größte Handlungsbedarf in der Versorgung Pflegebedürftiger entstehen.

Schon heute fehlen Pflegekräfte. Bis 2060 werden 783.000 zusätzliche Pflegekräfte erforderlich, so Beske, Direktor des Kieler Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF). „Weil besonders die Schwer- und Schwerstpflegebedürftigkeit zunimmt, werden besonders höher qualifizierte Pflegekräfte benötigt“, ist er sich sicher. Nach IGSF-Berechnungen werde sich der Bedarf an Pflegeheimplätzen bis 2060 von 845.000 Plätzen heute auf 1.957.000 Plätze mehr als verdoppeln. Die Ausgaben der Pflegeversicherung werden zwischen 2009 und 2060 allein aufgrund der Bevölkerungsentwicklung von 19,7 auf 41,6 Milliarden Euro steigen, prognostizieren die Wissenschaftler. „Kein Land Europas hat eine so ungünstige Altersstruktur seiner Bevölkerung wie Deutschland“, sagt der IGSF-Direktor. Die Auswirkungen zweier Weltkriege, die Baby-Boomer-Jahrgänge von 1955 bis 1967, der nachfolgende Pillenknick und eine der seit dieser Zeit niedrigsten Geburtenziffer in Europa seien hierfür verantwortlich. Das was auf uns zukomme, sei weder finanzierbar noch mit Fachkräften abdeckbar, so Beske. Er wirft der Politik Untätigkeit vor: „Sie ist gefordert, der Bevölkerung die Wahrheit zu sagen, damit auch jeder Einzelne sich vorbereiten kann.“ (tu)


Weitere Informationen unter www.igsf.de