19.01.2012

Neue Therapieoption zur Wundversorgung

Hämoglobin-Spray heilt Wunden

Ein Sauerstoffmangel, die so genannte Hypoxie, liegt bei fast allen chronischen Wunden vor. Wissenschaftler haben jetzt einen Weg gefunden, wie man einer Wunde lokal Sauerstoff zuführen kann – und zwar auf eine erstaunlich praktikable Art und Weise, die nicht nur für hochspezialisierte Behandlungszentren, sondern auch für die ambulante Pflege geeignet scheint.

Der Direktor der dermatologischen Klinik an der Prager Karls-Universität Prof. Dr. Petr Arenberger überraschte die Teilnehmer der diesjährigen Winterakademie -  einer einwöchigen interdisziplinären Fortbildungsveranstaltung für Ärzte und Pflegende - mit aktuellen Zwischenergebnissen einer noch laufenden Studie über einen kausalen Therapieansatz, der in der alltäglichen Versorgung von chronischen Wundpatienten zum Einsatz kommen kann. Er schilderte die Zusammenhänge zwischen einer verminderten Sauerstoff-Konzentration im Gewebe und dem schwierigen Heilungsverlauf von Ulzerationen. Arenberger verwies auf seine Heilungserfolge, die er mit dem Einsatz eines neuartigen Hämoglobin-Sprays erzielte und erklärte dies damit, dass insbesondere chronische Wunden in den allermeisten Fällen hypoxisch sind.

Ursache hierfür ist, dass der Sauerstoff nicht mehr ausreichend über die peripheren Blutgefäße zugeführt werden kann. Hinzu komme, dass die Diffusionsfähigkeit von außen regelhaft auch beeinträchtigt ist. Mit Hilfe des Wirkmechanismusses von Hämoglobin werde die Diffusionssperre des Wundexudates durchbrochen. Damit ist es erstmals möglich, den zur Wundheilung dringend benötigten Sauerstoff von außen zu kompensieren. Voraussetzung für den Erfolg des Sauerstofftransportes hin zum Wundgrund ist allerdings, dass die Wunde vor der Applikation gründlich gereinigt worden ist.

Die bereits vorliegenden Studienergebnisse stimmen Arenberger äußerst positiv. Derzeit wird mit Hochdruck an der Zulassung gearbeitet, damit das Spray zur Jahresmitte Marktreife erlangt.


Ein Interview mit Prof. Dr. Petr Arenberger  und Dr. rer. nat. Peter Engels lesen Sie im PflegeDossier Wundauflagen in HEILBERUFE 1/12



Nach Informationen von rechtsdepesche.de und HEILBERUFE 1/12 (Suppl.)