05.03.2010

Vorstoß für zweijährige Pflege-Teilzeit stößt auf Kritik

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will einen Rechtsanspruch auf eine zweijährige Pflegezeit für Angehörige einführen. Beim Sozialverband VdK, aber auch bei der Wirtschaft stößt das Vorhaben auf Kritik.

Schröder will pflegenden Angehörigen ermöglichen, zur Pflege zwei Jahre nur halb zu arbeiten, dafür aber drei Viertel des Gehalts weiter zu verdienen. Später sollen die Arbeitnehmer dann bei voller Arbeitszeit nochmals über dieselbe Zeitspanne weiter nur 75 Prozent ihres regulären Verdienstes erhalten.
Dem Sozialverband VdK geht der Vorschlag nicht weit genug. „Die finanzielle Absicherung der pflegenden Angehörigen ist nicht gewährleistet, wenn sie auf 25 Prozent ihres Lohns verzichten sollen“, sagt Verbandspräsidentin Ulrike Mascher. Pflegende Angehörige seien aber zumeist Frauen in schlecht bezahlten Jobs.
Kritisiert wird das Modell auch von Vertretern der deutschen Wirtschaft. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnt, durch die Regelung bleibe ein Kostenrisiko für die Betriebe, wenn Arbeitnehmer ihr Unternehmen verlassen, bevor die durch die Pflegezeit unterbliebene Arbeit nachgeholt worden sei. Anstelle neuer gesetzlicher Regulierungen plädiert er für individuelle Möglichkeiten zur Pflege Angehöriger etwa über Tarif- und Arbeitsverträge sowie Betriebsvereinbarungen. Es dürften keine weiteren Belastungen für Arbeit und Beschäftigung entstehen. Die Ministerin räumt ein, dass für die Unternehmen ein Restrisiko verbleibe. Um dieses abzufedern, lasse ihr Ministerium ein Versicherungsmodell durchrechnen. Auf freiwilliger Basis müsse es die Möglichkeit für die Firmen geben, sich gegen dieses Risiko abzusichern.
Die Pflegezeit soll zur Betreuung der eigenen Eltern wie auch von Kindern und anderen Angehörigen genutzt werden können. Derzeit gibt es einen Rechtsanspruch auf eine Auszeit vom Beruf für ein halbes Jahr jedoch ohne Lohnausgleich. (tu)